Auf großes Interesse stieß der Vortragsabend „Bruneck bei Nacht – wie viel Licht braucht die Stadt?“ mit David Gruber, Direktor des Naturmuseums Südtirol und Sabrina Bernhard, Astrophysikerin am Planetarium Südtirol, der am Dienstag, 22. September 2026 im NOBIS veranstaltet wurde.
Den Auftakt machte David Gruber, Direktor des Naturmuseums Südtirol. In seinem Vortrag erläuterte er, was Lichtverschmutzung bedeutet, wo sie entsteht und welche Folgen sie für Tiere, Pflanzen, den Menschen und den Blick auf den Sternenhimmel hat.
„Licht zur falschen Zeit, am falschen Ort“ – dieser Satz zog sich als zentrale Botschaft durch den Abend. Anhand zahlreicher Beispiele machte Gruber sichtbar, wie selbstverständlich künstliches Licht mittlerweile unsere Nächte prägt: von Flutlichtanlagen bei Sportplätzen und Nachtskipisten über Skybeamer bis hin zu großflächigen Lichtinstallationen. Mit klaren Fakten aber auch mit viel Humor und der ein oder anderen Star Wars-Referenz, zeigte er, wie Licht zur falschen Zeit und am falschen Ort den menschlichen Biorhythmus, Tiere, Pflanzen und den Blick auf den Sternenhimmel beeinträchtigt.
Die Zukunft sieht Gruber in einer intelligenten und verantwortungsvollen Nutzung von Licht: Beleuchtet werden soll dort, wo Licht tatsächlich benötigt wird – und nur dann, wenn es notwendig ist. Zu den konkreten Maßnahmen zählen bedarfsgerechte Beleuchtung mit Zeitschaltuhren oder Bewegungsmeldern, eine präzise Ausrichtung der Leuchten nach unten auf die Zielfläche sowie möglichst niedrige Lichtquellen. Pflanzen, Gewässer und Fledermausquartiere sollten nicht beleuchtet werden. Empfohlen wird außerdem warmweißes Licht mit einer Farbtemperatur von unter 3.000 Kelvin. Zwischen Grünflächen sollten zudem Dunkelkorridore erhalten bleiben, da künstliches Licht für viele Tiere eine Barriere darstellen kann.
Im zweiten Teil des Abends präsentierte Sabrina Bernhard, Astrophysikerin am Planetarium Südtirol, Ergebnisse des Forschungsprojekts „Südtirol leuchtet“. Ziel des Projektes ist es unter anderem, die Helligkeit des Nachthimmels an verschiedenen Standorten – darunter Bruneck – zu erfassen und die Entwicklung der Lichtverschmutzung genauer zu untersuchen.
In Bruneck wird seit Frühjahr 2024 an drei Standorten kontinuierlich die Helligkeit des Nachthimmels gemessen. Berücksichtigt werden dabei klare, mondlose Nächte. Aus den Messwerten werden Durchschnittswerte berechnet und sogenannte repräsentative Nachtkurven erstellt. Ergänzt werden die Messungen durch Daten der am Kronplatz installierten Webcam sowie durch Satellitendaten.
Ein besonderer Fokus des Projekts liegt auf der Frage, welchen Anteil die öffentliche Straßenbeleuchtung an der gesamten Lichtverschmutzung hat. Die Messungen zeigen, dass die öffentliche, dimmbare Straßenbeleuchtung in Bruneck weniger als zur Hälfte zu der erfassten Lichtverschmutzung beiträgt. Der verbleibende Anteil geht somit auf andere Lichtquellen zurück, etwa auf private, gewerbliche oder touristische Beleuchtung. Daraus ergibt sich ein wichtiger Ansatzpunkt für die weitere Reduzierung der Lichtverschmutzung: Neben einer möglichst effizienten öffentlichen Beleuchtung kommt es auch darauf an, unnötige oder schlecht ausgerichtete Lichtquellen außerhalb des öffentlichen Raums zu vermeiden.
„Die Ergebnisse zeigen, dass Lichtverschmutzung nicht allein eine Aufgabe der öffentlichen Hand ist. Wenn wir unsere Nächte besser schützen wollen, braucht es viele kleine Beiträge – von Gemeinden ebenso wie von Betrieben und Privaten. Gerade beim Licht können wir mit vergleichsweise einfachen Maßnahmen viel erreichen: weniger, gezielter und nur dann beleuchten, wenn es tatsächlich notwendig ist“, fasste David Gruber zusammen.